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Sonntag, 28. Dezember 2008

Der achte Tag


Zum Abschluss von Chanukah werden wir heute die weltgroesste Chanukah Menorah sehen, die traditionell von Chabad (von wem auch sonst) auf der Fifth Avenue vor dem ehemaligen Plaza Hotel aufgestellt wird.
Auch dieses Jahr habe ich wieder zahlreiche Chanukahlieder in meiner Inbox gefunden, und drei davon will ich hier mal erwaehnen. Zum einen gibt es nun eine deutsche Version von Adam Sandlers Chanukah Song, ganz witzig gemacht, obwohl ich eingestehen muss, dass ich nicht alle Leute in dem Video kenne (bin wohl zu lange schon aus Deutschland weg). Dann ist da noch ein interessantes Album eines eigentlich unbekannten Saengers, das Songs in the Key of Hanukkah heisst, doch da der Bruder von Erran Baron Cohen der Erfinder von Kultfiguren wie Ali G und Borat ist, hat dieses Album wohl mehr Aufmerksamkeit bekommen, als unter normalen Umstaenden. Trotzdem hoerenswert.
Zum anderen ist da Pass The Candle, ein Video, das von Freunden von Freunden von mir hier in New York produziert wurde. Das Ganze ohne grosses Budget. Nur mit der Hilfe des Internets lud man Menschen weltweit an der Aktion teilzunehmen. Wirklich kreativ. Seht das Resultat hier. Ich denke, wir werden von denen noch einiges hoeren.
Der achte Tag ist nun da. Chanukah geht zu Ende, aber keine Sorge, dieses Blog geht weiter.

Montag, 1. Dezember 2008

Eine Tragoedie fuer die gesamte Menschheit

Crown Heights in Brooklyn und Jackson Heights in Queens haben normalerweise nicht viel gemeinsam. Das eine ist eine vorwiegend chassidische Nachbarschaft am Eastern Parkway, das andere eine vorwiegend indische und pakistanische Nachbarschaft, die mit der U-Bahn Nummer 7 erreichbar ist. Doch dieses Wochenende verband beide Nachbarschaften die Tragoedie in Mumbai.

Kurz vor Schabbatbeginn kam die Mitteilung, dass Rabbi Gavriel Holtzberg und seine Frau Rivka, sowie Rabbi Leibish Teitelbaum, der die Kaschrut im Chabadhaus beaufsichtigte, waehrend der Terrorattentate ermordet wurden. Der 29jaehrige war vor fuenf Jahren, kurz nach seiner Hochzeit, mit seiner ein Jahr juengeren Frau nach Indien aufgebrochen, um dort ein Chabadhaus zu gruenden. Ihr Sohn Moshe, der am Samstag zwei Jahre alt wurde, wurde von seinen Grosseltern aus Mumbai abgeholt.

"Das ist irgendwie wie damals in Muenchen," meint Victor Wishna, mit dem ich mich am Freitag treffe, als gerade die Nachricht auf CNN erscheint. "Die Israelis hatten ihre Hilfe angeboten, aber die indischen Sicherheitskraefte haben aus falscher Eitelkeit jegliche Hilfe abgelehnt, und nun sind die Geiseln tot."

Ein paar Stunden spaeter hielt Chabad im Juedischen Kindermuseum von Crown Heights eine Pressekonferenz ab. Umgeben von vielen Pressevertretern und Kameraleuten versuchte man kurz vor Schabbatbeginn nuechtern ein paar Statements abzugeben, aber die Emotionen kamen sichtlich durch, so etwa bei Rabbi Moshe Kotlarsky, der die Traenen kaum zurueck halten konnte. "Er war ein sehr, sehr besonderer Mensch. Wir werden ihn sehr vermissen."

"Es ist eine schreckliche Tragoedie," meinte auch Menachem Frietfertig, ein Einwohner von Crown Heights, als er von Journalisten des lokalen Fernsehsenders NY1 auf der Strasse angesprochen wurde. "Es ist eine Tragoedie fuer die ganze Menschheit, nicht nur fuer die Familie, nicht nur fuer die juedische Gemeinde," erklaerte er.

Am Abend gingen wir in Jackson Heights Essen. Die normalerweise sehr beschaeftigte Nachbarschaft war ruhiger als sonst. In den Cafes und Restaurants liefen die Fernseher. CNN brachte die neuesten Meldungen aus Mumbai. Die Zahl der Todesopfer war mittlerweile auf 174 gestiegen.

Ich musste wieder an die Worte von Menachem Frietfertig denken. Ja, es ist eine Tragoedie fuer die ganze Menschheit.

Donnerstag, 27. November 2008

Die Armee des Messias

Die schrecklichen Terroranschlaege in Mumbai kamen als grosser Schock. Gebannt sass ich vor dem Fernseher, wechselte zwischen CNN International und BBC World News hin und her, als ploetzlich ein Kommentator erwaehnte, dass, auch wenn bisher nicht erwaehnt, auch ein orthodoxes juedisches Zentrum angegriffen wurde.
Sofort war mir klar, dass es sich um ein Chabadhaus handeln muesse. Meine Vermutung wurde ein paar Minuten spaeter bestaetigt. Online fand ich dann spaeter mehr Informationen, so etwa dass das Kindermaedchen mit dem zweijaehrigen Sohn aus dem Haus rannte und so das Kind in Sicherheit brachte (berichtet in Haaretz) und spaeter, dass die Aktion im Chabadhaus zwar beendet sei, aber der Leiter des Zentrums, seine Frau und weitere Geiseln bisher noch vermisst werden (berichtet in der Jerusalem Post). In einem Videoclip auf der Webseite der Jerusalem Post erwaehnt ein Bekannter von Rabbi Holtzberg, dass alle Lubawitscher eine grosse Familie seien, und man daher sehr besorgt um den Chabad-Scheliach in Mumbai sei.
Das Phaenomen von Chabad-Schluchim (so der Plural von Scheliach), so der hebraeische Name fuer die Emissare oder - da es kein besseres Wort im Deutschen gibt, auch wenn es nicht ganz treffend ist - "Missionare", ist einzigartig in der Welt. Es geht diesen Schluchim nicht darum, Menschen zum Judentum zu missionieren, sondern Juden die Moeglichkeit zu geben, juedisch zu leben. Im Mumbai kommen zum Chabadhaus viele Israelis, von Rucksacktouristen bis hin zu Geschaeftsleuten, und auch an anderen Orten der Welt kann man Gesandte der Chabadbewegung finden, die einem eine juedische Atmosphaere geben.
Weltweit gibt es mehr als Tausend solcher Schluchim, die sich einmal im Jahr in Crown Heights, Brooklyn, dem Zentrum der Chabadbewegung, treffen (siehe Foto vom letztjaehrigen Treffen). Ich habe einmal gelesen, dass sie die Armee des Rebbe seien (gemeint, Menachem Mendel Schneerson, den viele Anhaenger als den Messias sahen und sehen). Und auch wenn diese Armee keine Kriege fuehrt, so ist sind ist ein Scheliach doch ein beeindruckender Soldat, da er alles aufgibt, in ein fremdes Land zieht, und dann dort ein Zentrum gruendet, das er selbst finanzieren muss (oftmals ausschliesslich durch Spenden). Keine einfache Aufgabe, doch der Glaube an die Wichtigkeit dieses Unternehmens gibt ihnen Staerke.
Als ich diesen Morgen auf der CNN Webseite nach Neuigkeiten ueber die Situation in Mumbai suche, lese ich, dass Rabbi Holtzberg und seine Frau, sowie die anderen Geiseln nach wie vor vermisst werden. Hoffen wir, dass sie bald bei bester Gesundheit gefunden werden.
Schabbat Schalom.

Dienstag, 25. November 2008

Mexikanische Falafel

Denkt man an mexikanisches Essen, dann denkt man wohl an Burritos, Mole, Salsa Picante und andere typischen Delikatessen, doch in der multikulturellen Ciudad de Mexico scheint momentan etwas ganz anderes auf der Speisekarte zu sein: Falafel.
Viele sagen, der neue Falafel-Boom sei vor allem einem Mann zu verdanken: Nathaniel Goldstock. Sein Imbiss "Falafel Benzona", der sich in den chicken Stadtteilen von Condesa und Polanco fand, wurde vom Chilango Magazin mit vier Sternen ausgezeichnet, und das DF Magazin listete "Falafel Benzona" als eines von Mexikos besten Restaurants mit Speisen unter 150 Mexikanischen Pesos, was etwa 8 Euro entspricht.
Goldstock ist uebrigens mehr als nur ein Falafelkoch. Der gebuertige New Yorker kommt aus einer chassidischen Familie und hat sich vollkommen von den Lubawitschern getrennt. Die Dokumentation "Brooklyn Exile", an der er beteiligt war, beschaeftigt sich mit dem Phaenomen von Ex-Chassiden und deren Versuche, ein normales Leben zu fuehren. Goldstock ist auch ein sehr begabter Portraitfotograf und genialer Retouchierer.
Falafel Benzona war uebrigens sehr beliebt bei israelischen Rucksacktouristen, die wohl auch der Name anzog. Benzona heisst Sohn einer Hure, und wenn man sich das Logo ganz genau anschaut, stellt man fest, dass es sich nicht um praekolumbianische Wandmalerei handelt, sondern dort hebraeische Buchstaben "versteckt" sind, die eben das Wort "Ben Zona" schreiben.

Montag, 3. November 2008

Sukkot in Bryant Park





Chabad hat wie jedes Jahr in Bryant Park, dem Lieblingstreffpunkt von Carrie Bradshaw in der Kultserie "Sex and the City", ein Sukkah aufgebaut, in der man sich zum Mittagessen (und manchmal auch zum Gebet) trifft.

Laut Rabbi Yeshua Metzger von Chabad Midtown existiert die Sukkah in Bryant Park seit nunmehr 13 Jahren. Als ich ihn in der Sukkah besuche, wird er staendig abgelenkt. Einige Besucher wollen wissen, wo es koscheres Essen gibt, Metzger begruesst eine Schulklasse, die gerade von einem Museum kommt, ein paar Touristen aus Italien fragen nach, was denn dieser Kasten sei. In dem "Kasten", der taeglich von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends geoeffnet ist, finden sich Leute, die so unterschiedlich sind wie ihr Essen. Ein paar Businessmaenner diskutieren die Wirtschaftslage bei Sushi und Salat, ein paar Freunde aus Long Island, die in Midtown arbeiten, teilen sich koschere Pizza und ein paar Besucher aus Brooklyn bestellen sich koschere Hotdogs via Handy, direkt in die Sukkah geliefert. Only in New York.

"This is the crossroad of the world," erklaert Rabbi Metzger, der einem aelteren Paar aus Queens, das mit russischem Akzent Englisch spricht, hilft, den Segenspruch ueber den Lulav zu sagen. Bryant Park, zwischen Times Square und Grand Central gelegen, ist im Herzen Manhattans, und hier trifft sich tatsaechlich alle Welt.

Die New York Times hatte eine nette Reportage darueber. Es waere schoen, solche Offenheit auch in Europa sehen zu koennen, aber New York ist diesbezueglich wohl einzigartig in der Diaspora.