Montag, 5. Januar 2009

Synagogen in Suedtransilvanien

Ich traf letzte Woche Julie Dawson, eine in Rumaenien lebende Amerikanerin, die momentan in New York ist, um morgen eine beeindruckende Fotografieausstellung ueber Synagogen in Suedtransilvanien zu eroeffnen.

Obwohl Julie erst seit knapp zwei Jahren in Rumaenien lebt, wo sie fuer den Peace Corps arbeitet, ist sie bereits eine zentrale Figur geworden, was juedische Kultur in diesem Teil von Rumaenien angeht. "Es herrscht hier sehr viel Unwissen," erklaert die 30jaehrige, "und gerade daher ist es wichtig, sich zu oeffnen." Viele der Veranstaltungen, die sie organisiert, von Klezmerkonzerten bis zu Seminaren, finden in Cafes und anderen oeffentlichen Orten statt, jedoch nicht hinter verschlossenen Tueren. Ja, Antisemitismus gaebe es, aber der sei nicht das Problem, sondern Ignoranz. Als sie vor einem Jahr ihren Schuelern das Chanukahfest erklaerte, waren viele zunaechst negativ eingestellt und wollten nichts von diesen juedischen Dingen wissen, doch dieses Jahr waren die selben Schueler begeistert von der Musik und der Tradition des Lichterfestes. Auf einer Konzerttour von Klezmermusikern aus Deutschland, die Julie organisierte, stellten viele nichtjuedische Besucher fest, dass die Musik sehr an ihre "eigene" Musik erinnert, und juedische Besucher dankten ihr, dass sie wieder Freude in die oftmals nahezu vergessenen Synagogen von Transilvanien, die nun als Konzerthalle fungierten, brachte.

Julies Einsatz und Enthusiasmus ist beeindruckend. All ihre juedischen Aktivitaeten erledigt sie in ihrer "Freizeit". Und es wirkt gleich noch beeindruckender, wenn man weiss, dass sie nicht juedisch ist. Ironischerweise hat Julie ihre Liebe fuer die Klezmermusik und jiddische Kultur in Deutschland gefunden. Bevor sie nach Rumaenien zog, lebte die gebuertige Texanerin sechs Jahre in Berlin und machte dort die Bekanntschaft mit verschiedenen Klezmermusikern, von denen die meisten nicht juedisch sind. [Erinnert ein bisschen an Ruth Ellen Grubers Buch "Virtually Jewish".]

Die Ausstellung mit den wunderbaren Bildern (ein Beispiel sieht man hier) wird morgen im Congress for Jewish Culture, 25 East 21st Street in Manhattan mit einem Klezmerkonzert eroeffnet. Sehenswert.

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