Montag, 31. August 2009
Donnerstag, 23. Juli 2009
In Memoriam: Jacobo Kovadloff

Gestern erfuhr ich per E-mail, dass mein guter Freund Jacobo Kovadloff gestorben ist. Traurigerweise bereits vor einem Monat, am 18. Juni, so dass ich weder zur Beerdigung noch zur Gedenkfeier kommen konnte.
Jacobo war einer der wunderbarsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Immer warm und herzlich, intelligent, offen, immer ein Schmunzeln oder Laecheln auf dem Lippen, politisch engagiert und immer besorgt, wenn irgendwo Unheil auf dieser Welt drohte.
Ich traf Jacobo eher zufaellig. Auf dem Annual Meeting des American Jewish Committee sah ich einen Mann mit dem Namensschild "Kovadloff", der Namen des Autors, eines meiner Lieblingsgedichte. "Sind Sie mit Santiago Kovadloff verwandt?" fragte ich ihn, und es stellte ich raus, dass Santiago sein Neffe war.
Jacobo und ich wurden Freunde. Alle paar Monate trafen wir uns zum Mittagessen, immer in einem von zwei Restaurants (entweder Japanisch oder Italienisch, obwohl letzteres sein Lieblingsrestaurant in Midtown war) und sprachen ueber das Leben, Menschen, Politik, eigentlich fast alles.
Mein Grossvater starb, als ich 16 Jahre alt war, und irgendwie bekam Jacobo, der ueber 80 war, mein Ersatzgrossvater, aber er war viel mehr als das, er war ein guter Freund.
Seitdem Leon auf der Welt ist, sah ich ihn nur zweimal. Ich bedauere das. Zum 15. Jahrestag des AMIA Attentats letzte Woche wollte ich ihn einladen, rief jedoch nicht an, da ich ein ungutes Gefuehl hatte. Anstatt ihn anzurufen, schrieb ich ihn eine E-Mail, die jedoch an mich zurueck kam. Ich wollte ihn diese Woche anrufen, um zu fragen, wie es ihm geht, doch dann bekam ich gestern die Nachricht.
Es gibt so viel mehr, dass ich ueber ihn schreiben koennte, aber momentan kann ich das nicht.
Wir vermissen Dich sehr, Jacobo!
Freitag, 17. Juli 2009
15. Jahrestag des AMIA Attentats
Gestern fand in der New Yorker Bnai Jeshurun Synagoge eine Gedenkveranstaltung fuer die Opfer der Attentate auf die israelische Botschaft und das juedischen Gemeindezentrum in Buenos Aires statt. Die Attentaeter, das ist lange bekannt, kamen aus dem Iran und befinden sich seitdem dort. Da Interpol ein "Red Card" ausgestellt hat, werden sie auch weltweit gesucht, d.h., falls sie jemals in einem anderen Land sein sollten, koennten sie verhaftet werden, doch das scheint eher unwahrscheinlich.
Bnai Jeshurun ist die angesagteste Synagoge, die jeden Kabbalat Schabbat ueber Tausend Leute hat (und die benachbarte Kirche anmietet, um die Massen zu bewaeltigen). Der Grund hierfuer die kreativen argentinischen Rabbiner der Gemeinde.
Da in Argentinien momentan die Schweinegrippe herrscht, herrscht auch Versammlungsverbot, so dass der Event in New York die weltweit groesste Gedenkveranstaltung fuer die Opfer war.
Neben Gaesten aus Argentinien sprach auch Abe Foxman von der ADL und junge Argentinier lasen die Namen der 85 Opfer des Terrorattentats bevor Rabbiner Matalon Kaddisch sagte. Eine wuerdige Gedenkveranstaltung.
Mittwoch, 1. Juli 2009
Deutschland in acht Tagen
Auch wenn es mir so vorkommt, als sei das schon so lange her, so war ich doch erst vor ein paar Wochen in Deutschland. Sieben Staedte in weniger als einer Woche: Muenster, Dusseldorf, Essen, Duisburg, Koeln, Potsdam und Berlin. Der Grund fuer die Reise: 20 Jahre nach dem Mauernfall wollte sich eine Delegation des Joint ein genaueres Bild vom juedischen Leben in Deutschland machen.
Die hochrangige Delegation, die ich betreute, traf sich unter anderem mit Vertretern der amerikanischen Botschaft in Berlin (siehe Foto), aber die eigentlichen Hoehepunkte der Reise waren die stillen Momente mit ihren wunderbaren Details, sei es Kabbalat Schabbat in Muenster oder die offizielle Einweihung des Bambinim Zentrums in Berlin.
Meine ueberraschende Momente kamen jedoch erst nachdem die Delegation ins Baltikum weitergereist war und ich mich auf den Rueckweg nach New York machte.
Erst machte ich die Bekanntschaft mit einem Berliner Taxifahrer, mit dem ich mich ueber Architektur unterhalte. Die vielen Veraenderungen in Berlin gefallen ihn nicht. Er sehnt sich nach Jugendstil und nicht nach Wolkenkratzern, und will unbedingt mal Krakau besuchen, die Stadt, aus der sein Vater stammt. Seine Mutter, erzaehlt er, kommt aus dem Nahen Osten. Nach einigem Zoegern sagt er, dass sie in Tel Aviv geboren wurde. Ja, er spricht Hebraeisch, und ja, er ist juedisch. Erstaunt darueber, dass ich auch juedisch bin, kommen wir ins Gespraech. Solomon Brandes ist 40 Jahre, kein Mitglied der juedischen Gemeinde, fuehlt sich jedoch sehr juedisch (er zeigt mir stolz seine Kette mit seinem Davidstern).
Im Flugzeug sitzt ploetzlich links von mir Yehuda Teichtal, der Chabadrabbiner aus Berlin, der leider nicht zur Bambinim Eroeffnung kam, und wir unterhalten uns, die Frau, die in der Reihe vor ihm schlaeft, so stellt sich heraus, ist eine alte Freundin, die heute in LA lebt, jedoch in Berlin war, wo sie einen Preis fuer ein Radioprogramm entgegen nahm. Kleine Welt der Zufaelle. Warum wir alle im selben Flugzeug so nah bei einander sassen, kann keiner genau erklaeren. Coincidences are God's way to stay anonymous.
Dienstag, 23. Juni 2009
Mittwoch, 20. Mai 2009
Fotos aus Kolumbien
Anfang des Monats war ich in Kolumbien. Eine Reise nach Kolumbien ist immer auch eine Reise in eine Vergangenheit, die zwar nicht meine ist, jedoch eine Spurensuche, die mich zu meinen Wurzeln fuehrt. Kolumbien ist das Land, in dem meine Eltern geboren wurden, das Land, das meinen Grossvaetern vor, und meiner Grossmutter muetterlicherseits nach der Shoah zur neuen Heimat wurde. Kolumbien ist auch das Land, in dem ich mehr Verwandtschaft habe als in Europa oder in den USA, auch wenn ich diese kaum kenne. Erst zweimal war ich zuvor in Kolumbien. Das erste Mal, feierte ich meinen 21. Geburtstag dort, das zweite Mal ist schon ueber zehn Jahre her.
Der Grund meiner Reise war eine Konferenz in der Karibikstadt Cartagena, und ich beschloss, zwei Tage zuvor Bogota zu besuchen, wo ich auch drei der Cousins meiner Mutter traf (zwei davon hier im Bild, doch mehr zu dem Foto gleich).
Dass eine Reise nach Kolumbien auch immer eine Reise zu den eigenen Wurzeln ist, zeigte sich schon am Flughafen in Newark, als ich die Sonia traf, die mit Miguel, einen Cousin von meiner Mutter, verheiratet ist und den selben Flug nach Bogota hatte wie ich. Es kann gut 15 Jahre her sein, dass ich sie getroffen habe, aber mein fotografisches Gedaechtnis liess mich sie erkennen. (Fotografisches Gedaechtnis heisst, dass ich mich an die Fotos erinnere, die ich gemacht habe.)
Das Zusammentreffen war Zufall, oder vielleicht auch Schicksal (das haengt von der individuellen Perspektive ab), und mein Aufenthalt hatte weitere Zusammenkuenfte, die ebenfalls unerwartet waren. Ein Beispiel war, dass ein anderer Cousin, Leonardo (hier links im Bild), der eigentlich in Costa Rica lebt, ebenfalls fuer ein paar Tage in Bogota war (er kam einen Tag nach mir an) und wir uns daher treffen konnten. Zuvor war er in New York gewesen, wo wir uns leider verpassten.
Neben Leonardo findet sich hier Benno, sein juengerer Bruder, im Bild, dessen Sohn vor Jahren entfuehrt und trotz Loesegeldzahlung wohl von seinen Entfuehrern ermordet wurde. War Benno das letzte Mal als ich ihn sah ein energischer Typ gewesen, so war dieser Cousin meiner Mutter heute ein gebrochener Mann in einer Aura von Melancholie.
Das Foto, das Benno in seiner Hand haelt, zeigt die beiden als Kinder. Es stammt aus einer Schatztruhe. Zugegeben, es handelt sich nicht um eine Truhe, sondern um eine Tuete, und bei dem Schatz handelt es sich nicht um Gold, sondern um Fotos, einige davon aus den 30er Jahren, die im alten Haus des mittlerweile verstorbenen Bruders meine Grossmutter waren. Viele Bilder wurden von meiner Oma verschickt, die oftmals auf der Rueckseite der Bilder aufschrieb, wer auf dem Foto ist und wann es aufgenommen wurde.
Freitag, 15. Mai 2009
Make Some Noise
Durch Zufall entdeckte ich kuerzlich die Musikseite Shemspeed , die ein weites Spektrum von moderner juedischer Musik praesentiert, darunter auch dieser britische Song. Neben den schon bekannteren Musikern wie YLove finden sich auch mir bisher nicht bekannte Liedermacher mit guten Rhythmen. Viel Spass beim Rumstoebern.
Mittwoch, 13. Mai 2009
Montag, 11. Mai 2009
Muttertag

Gestern war Muttertag. Nicht ueberall auf der Welt, aber zumindest in den USA und Deutschland, und das amerikanische Jewish Women's Archive hat zu diesem Anlass dazu eingeladen, Fotos von juedischen Muettern auf eine Flickr-Seite hochzuladen. Das Ganze ist eine interessante Mischung aus zeitgenoessischen und antiken Fotografien. Schaut einfach selbst (hier der Link).
Samstag, 2. Mai 2009
Tribeca Koch Forward

Als der Forward 2007 seinen 110 Geburtstag feierte, wurde ich beauftragt, fuer das Buch "A Living Lens" prominente New Yorker Juden zu fotografieren. Mein erstes Shooting war mit dem ehemaligen Buergermeister von New York, Ed Koch, den ich in der Lower East Side bei Katz' Deli fotografierte.
Koch ist schon ein etwas seltsamer Kautz und das Fotoshooting war auch etwas seltsam (er war nicht gerade nett, aber auch nicht wirklich unfreundlich), aber er ist dem Forward seit langem verbunden und hat erst kuerzlich auf der Blog des Forwards eine Kolumne gehabt, fuer die man ihm Fragen schicken konnte, die er beantwortet (in alter Forwardtradition des sogenannten Bintel Brief, Zuschriften, die Anfang des letzten Jahrhunderts von Lesern an die (damals jiddische) Zeitschrift geschickt wurden. Seine Liebe zum Forward ist ein Indiz fuer seine Liebe zum Judentum, und da der nun 84jaehrige weder Kinder noch eine Frau hat, plant er schon einmal vor und hat bereits sein Grab (samt Grabstein) vorbereitet, man muss nur noch das Todesdatum ausfuellen (wuenschen wir ihm, dass dies noch ein paar Jahre Zeit hat). Klingt unglaublich? Dann lest einfach hier.
Aber zurueck zu meinem Foto. Das Bild wurde vom Forward wieder benutzt, siehe hier, und wurde dort einer Filmemacherin entdeckt, deren Assistent mich kontaktierte und anfragte, ob sie es fuer ihre Dokumentation "Blank City" benutzen koennte. "Blank City" ist ein Film ueber die Independent Filmszene der spaeten 70er Jahre. Jim Jarmusch und Steve Buscemi sind nur zwei der Leute, die hierfuer interviewt wurden. Der Film premierte auf dem Tribeca Film Festival und Lisa und ich sahen ihn gestern. Zugegeben, einige Edits sind noch notwendig, um die Dokumentation interessanter zu machen, aber das war sekundaer. Auf dem Tribeca Filmfest zu sein, war schon aufregend, und mein Foto auf der grossen Leinwand kristallklar zu sehen ziemlich cool.
Only in New York...
Mittwoch, 29. April 2009
Aladdins Bibliothek

Die verrueckten Worte des iranischen Praesidenten und anderer Politiker aus islamischen Laendern waehrend der Konferenz in Durban waren keine Ueberraschung, auch wenn sie schockierend waren. Wenn diejenigen, die die Politik ihres Landes bestimmen, schon solche kompromislosen Meinungen vertreten, was kann man da vom einfachen Mann auf der Strasse erwarten?
Ein neues Projekt versucht jetzt, der Holocaustleugnung in islamischen Laendern entgegenzutreten. Die sogenannte "Aladdin Library" publiziert kostenlos online Buecher wie etwa das Tagesbuch der Anne Frank, die u.a. auf Arabisch und Farsi zum Runterladen zur Verfuegung stehen.
Ich bin zwar skeptisch, ob diese Buecher wirklich mehr Leser finden als die jeweiligen Uebersetzungen der Protokolle der Weisen von Zion, aber es ist wohl besser, als gar nichts zu unternehmen.
Donnerstag, 23. April 2009
Durban II
Ich muss zugeben, als ich 2001 an der UN Antirassismuskonferenz in Durban, Suedafrika, teilnahm, war dies ein traumatisches Erlebnis. Nie zuvor hatte ich eine solche Konfrontation mit Antisemitismus (und auch nie danach hatte ich so etwas wie in Durban). Durban war ein Albtraum und wenn ich zuvor noch die Hoffnung hatte, dass es jemals Frieden mit Israels muslimischen Nachbarn geben koenne, so zerbrach diese Hoffnung angesichts des fanatischen Hasses, der unserer kleinen Delegation aus Bruessel entgegen gebracht wurde.
Dieses Mal scheint alles anders zu sein. Die juedischen Studenten sind sehr gut vorbereitet und machen positive Schlagzeilen wie etwa in der heutigen JTA Story von Michael Jordan. Ein gravierender Unterschied ist wohl auch, dass die Konferenz in der Schweiz stattfindet, was automatisch alles etwas gesitteter macht.
Und trotzdem, die Worte von Irans Praesident, gehalten einen Tag vor Yom HaShoah, dem Holocaustgedenktag Israels, erscheinen wie ein Geburtstagsgeschenk fuer Adolf Hitler. Traurig, erschreckend, widerlich. Klar, es stehen Wahlen an im Iran, aber dies ist mehr als nur Wahlkampf, dies ist Fanatismus, der nur boeses erahnen laesst.
So schockierend sein Auftritt in diesem Zirkus der UN auch war, so erfreulicher ist es zu sehen, dass junge Studenten aus ganz Europa dem entgegen wirken.
Dieses Mal scheint alles anders zu sein. Die juedischen Studenten sind sehr gut vorbereitet und machen positive Schlagzeilen wie etwa in der heutigen JTA Story von Michael Jordan. Ein gravierender Unterschied ist wohl auch, dass die Konferenz in der Schweiz stattfindet, was automatisch alles etwas gesitteter macht.
Und trotzdem, die Worte von Irans Praesident, gehalten einen Tag vor Yom HaShoah, dem Holocaustgedenktag Israels, erscheinen wie ein Geburtstagsgeschenk fuer Adolf Hitler. Traurig, erschreckend, widerlich. Klar, es stehen Wahlen an im Iran, aber dies ist mehr als nur Wahlkampf, dies ist Fanatismus, der nur boeses erahnen laesst.
So schockierend sein Auftritt in diesem Zirkus der UN auch war, so erfreulicher ist es zu sehen, dass junge Studenten aus ganz Europa dem entgegen wirken.
Montag, 20. April 2009
Shanghai
Das Interesse an China ist gross. Und es wird immer groesser. Zumindest in den USA. Und da in Nordamerika die groesste juedische Diaspora lebt, verwundert es nicht, dass auch das Interesse an Chinas juedischer Geschichte immer groesser wird. Der israelische Fotojournalist Dvir Bar-Gal, der seit 2001 in Shanghai lebt, ist nicht nur darum bemueht, die Erinnerung an etwa die von der kommunistischen Regierung vernichteten juedischen Friedhoefe wieder herzustellen, nein, er bemueht sich auch, diesen ein Denkmal zu errichten. JTA berichtet ueber ihn.Bar-Gal hat auch eine Website, ueber die man organisierte Fuehrungen auf den Spuren juedischer Geschichte Shanghais buchen kann. Lohnenswert, wenn es Euch mal dahin begeben sollte.
Freitag, 3. April 2009
Donnerstag, 2. April 2009
Alles (28) Jahre wieder

Alle 28 Jahre, jedes Mal am gleichen Wochentag, kehrt die Sonne genau zu jener Position zurück, in der sie am vierten Tage der Schöpfung geschaffen wurde. Anlässlich dieses besonderen Ereignisses gibt es einen speziellen Segen, der Birkat Hachama -“Segen für die Sonne”- genannt wird. Dieses Jahr ist Birkat Hachama am 8. April, was dieses Pesach etwas ganz besonderes macht.
Auch dieses Jahr gibt es wieder viele niedliche Videos zum Exodus, siehe hier, und meine Frau fragt sich, wie wir unsere eigenen Pesachtraditionen kreieren koennen (siehe hier).
Mir scheint es, dass die eigentliche Tradition ist, dass wir den Seder mit meinen Eltern verbringen werden. Am 8.4. landen wir naemlich - so G-tt will - in Deutschland und verbringen Pesach mit meiner Familie. Ist zwar nicht unsere eigene Tradition, aber trotzdem eine schoene Tradition.
Tradition ist es auch, dass wir alle verschiedene Hagadot haben werden und es nicht unbedingt die Sederordnung gibt, da wir uns ad hoc einigen muessen, was wir als naechsten machen. In New York gibt es uebrigens mal wieder eine neue hippe Hagada (siehe hier) und ebenso in LA (Popkultur laesst gruessen, siehe hier).
Egal welche Hagada, ich wuensche Euch allen ein frohes Pesach und melde mich nach den Feiertagen wieder.
Freitag, 27. März 2009
Oxford
Ich war letzte Woche in Oxford auf einer Konferenz. Oxford ist vielleicht nicht die juedischste aller Staedte, aber im Angebot der verschiedenen Walking Tours durch die Stadt findet sich auch eine juedische Tour, die dem Besucher das mittelalterliche, juedische Viertel nahe bringt -- zugegeben, man muss viel Fantasie mitbringen, da nicht allzu viel zu sehen ist. (Ich spazierte zunaechst ohne Plan durch Oxford und kam, ohne es zu wissen, zum ehemaligen juedischen Friedhof -- heute der Botanische Garten -- und das juedische Viertel und den Ort, an dem die erste Synagoge stand -- heute die Strasse, wo sich das Museum of Modern Art befindet.)
Neben dem Hier-war-Mal und Hier-war-Mal gibt es jedoch, etwas ausserhalb der universitaeren (und touristischen) Altstadt einen Ort, der durch eine Plakete als juedischer Ort gekennzeichnet ist. Nein, hier handelt es sich nicht um eine Synagoge oder Friedhof, sondern der Ort, an dem ein Mitglied der juedischen Gemeinde auf den Scheiterhaufen endete, da er seinen Glauben nicht verleugnen wollte. Die Plakete, die sich an einem heruntergekommenen Portal eines ehemaligen Konvents unweit vom Hafen findet, wurde 1931 von der juedischen Gemeinde errichtet und ist relativ schwer zu finden. Ausgestattet mit einen alten Stadtplan irrte ich nahezu eine Stunde herum, bevor ich den Ort fand, der irgendwie anziehend und gleichzeitig unbeeindruckend auf mich wirkte.
Dienstag, 10. März 2009
Der bulgarische Purim

Der 10. Maerz ist ein Feiertag in Bulgarien. An diesem Tag wurde 1943 die Rettung der bulgarischen Juden beschlossen. Bulgarien, ein Verbuendeter der Nazis, wurde vom Deutschen Reich gezwungen, seine Juden zu deportieren. Dem bulgarischen Volk war bewusst, was eine solche Deportation bedeuten wuerde. Es kam zu einen zentraler Protest, Hunderttausende von Bulgaren setzten sich fuer ihre juedischen Freunde, Nachbarn, Mitbuerger ein. Der Patriarch von Plovdiv sagte sogar: "Wenn ihr die Juden deportieren wollt, dann nimmt mich ebenfalls mit." (Der bulgarische Koenig hingegen blieb passiv.)
Die bulgarischen Juden wurde nicht in Vernichtungslager geschickt, jedoch teilweise zu Zwangsarbeit gebracht, die man jedoch nicht mit dem Joch, das andernorts in Europa geschah, vergleichen kann.
Ein Teil des "Deals", der zur Rettung der bulgarischen Juden gehoerte, war jedoch die Deportation der makedonischen Juden, von denen 98% in der Schoah ermordet wurden. Als in Jad Waschem ein Gedenkstein fuer die Errettung der bulgarischen Juden aufgestellt wurde, in der auch der Koenig gelobt wurde, kam es zu einem Protest aus der damals jugoslawischen Republik Makedonien, so dass die Gedenksteine nach Bulgarien gebracht wurden.
Trotz guter Beziehungen kam es nach dem 2. Weltkrieg Massenauswanderung von bulgarischen Juden. Zionistische Gesinnung, nicht Antisemitismus brachte bulgarische Juden nach Israel.
Heutzutage leben lediglich ein paar Tausend Juden im Land, die aeltere Generation spricht noch Ladino, da Bulgariens Juden urspruenglich (nach 1492) aus Spanien kamen, und die aktivsten Gemeinden finden sich in der Hauptstadt Sofia und in Plovdiv.
Sofias Synagoge gehoert zu den beeindruckendsten in Europa und ist ein Symbol der Stadt, die sonst eher postsowjetisch-provinziell wirkt. Am 9. September 2009 wird die grosse (und heutzutage einzige) Synagoge von Sofia ihren 100. Geburtstag feiern, und die Renovierungsarbeiten haben schon begonnen, die alte Dame zu ihrer urspruenglichen Pracht zurueck zu bringen.
Angesichts der bedeutenden Geschichte des Landes hat Sofia dies auch verdient.
Montag, 9. März 2009
613 Zahlenspiele zum 35. Geburtstag
Am Freitag hatte ich Geburtstag, und dies war genau der Tag, an dem ich 613 Freunde in meiner Facebookliste hatte. Eine Zahlenkombination, die nur fuer einen Tag anhielt, als ich neue Freunde bestaetigte. Fuer kurze Zeit ueberlegte ich, ob ich von nun an diese Zahl beibehalten sollte, und Leute, die ich nur fluechtig kenne, jedoch als Freunde in meiner Liste akzeptierte, aus meiner Liste streiche, um so die mystische Zahl beizubehalten (eine Entscheidung ist noch nicht gefallen).
613 ist die Zahl der Ge- und Verbote im Judentum, und neben der Zahl 18 eine der Zahlen, die gerne im kabbalistischen Kontext benutzt werden.
Auch wenn es aus diversen Gruenden zunaechst nicht an meinen eigentlichen Geburtstag dazu kam, ueberraschte mich Lisa am Samstag mit neuen Perspektiven, in dem sie mir einen Hubschrauberflug ueber New York zum Geburtstag arrangierte. Wirklich genial.
Ich bin nun im 36. Lebensjahr angekommen (meinen 36. feiere ich also naechstes Jahr) und wer weiss, welche anderen Lebenserfahrungen noch auf mich warten. Man kann gespannt sein.
613 ist die Zahl der Ge- und Verbote im Judentum, und neben der Zahl 18 eine der Zahlen, die gerne im kabbalistischen Kontext benutzt werden.
Auch wenn es aus diversen Gruenden zunaechst nicht an meinen eigentlichen Geburtstag dazu kam, ueberraschte mich Lisa am Samstag mit neuen Perspektiven, in dem sie mir einen Hubschrauberflug ueber New York zum Geburtstag arrangierte. Wirklich genial.
Ich bin nun im 36. Lebensjahr angekommen (meinen 36. feiere ich also naechstes Jahr) und wer weiss, welche anderen Lebenserfahrungen noch auf mich warten. Man kann gespannt sein.
Freitag, 6. März 2009
Jewish Women's Archive online

Das Jewish Women's Archive hat diesen Monat eine neue Website ins Leben gerufen. Es handelt sich um die Onlineversion von "Jewish Women: A Comprehensive Historical
Encyclopedia", das vor ein paar Jahre von Paula Hyman (Yale) und Dalia Ofer (Hebrew University) herausgegeben wurde.
Die beeindruckende Enzyklopaedie ist nun kostenlos online einsehbar, mit ueber 1.700 Biographien von Hannah Arendt bis zur biblischen Ruth. Die Website lohnt sich nicht nur wegen den ueber 1.400 Fotos und 300 Essays, sondern auch deshalb, da es nie zuvor eine so interessante Studie zu Frauen im Judentum gegeben hat. Etwas, das es so in Buchform nie geben koennte.
Empfehlenswert.
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